Das kannste so doch nicht rechnen!

24. Februar 2016

Ich sitze mit einem alten Kumpel bei einem von ihm vor längerer Zeit empfohlenen Griechen, wir stopfen und gießen uns gepflegt die Plauze voll und bringen uns gegenseitig auf den letzten Stand der wechselseitigen jüngeren Lebensereignisse.

IMG_20160226_003013Nach einigen Stunden haben wir als letzte Gäste ein Einsehen und Mitleid mit dem geduldig ausharrenden „Kellner 5^“ und verlangen die Rechnung. Auf dieser findet sich ein Relikt, das 2001 vermutlich hochmodern und sehr hilfreich war, jetzt, 15 Jahre später, aber sicherlich mal so langsam einen Inflationsausgleich verdient hätte. Der Rechnungsbetrag wird nämlich auch nochmal in DM ausgewiesen, unter Nennung des bekanntlich fixen Wechselkurses von 1,95583 DM = 1 €. In Deutschland müßte das damals ein freiwilliger Kundenservice gewesen sein, eine gesetzliche Vorschrift zur Angabe des Eurobetrags in der dann abgeschafften Nationalwährung gab es meiner Erinnerung nach z. B. in Frankreich, aber nicht hier.

Es wären heutzutage nämlich nicht 45,77 DM, sondern 55,97 DM, wie dieser Kaufkraftrechner einigermaßen plausibel behauptet und den ich immer gerne augenverdrehend zu Rate ziehe, wenn jemand heutzutage noch 2:1 DM in € umrechnet.

(Parallel veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Die Targobank und ich werden keine Drahtlosfreunde

2015/2016

Kontaktloses Bezahlen wird ja im Techniktagebuch nach und nach zu einem eigenen Kapitel. Das beste daran ist ja, daß es so unkompliziert ist. Wie bei den Kollegen nachzulesen ist, ist der Weg dahin allerdings unterschiedlich steinig. Hier folgt die Targobank-Variante:

Budni (eine Hamburger Drogeriekette) bewirbt irgendwann die Methode bei sich an den Kassen. Ich bin neugierig und will das mal ausprobieren. Auf der neuesten nach Umfirmierung (zu Beginn Karstadt-Quelle-Bank, jetzt Targobank, dazwischen gefühlte fünf Zwischenstationen) ausgelieferten Mastercard ist schließlich das Drahtlos-Symbol.

Das Terminal sagt aber: Geht nicht. Bitte reinstecken! Es folgt die seit langem bekannte Pen&Paper-Variante. In den Folgemonaten unternehme ich noch zwei Versuche, den letzten nach einem offensichtlichen Hardwarewechsel bei den Kartenterminals von Budni. Keine Änderung.

Es folgt Kontaktaufnahme zum Bankservice: Müssen Sie da noch was freischalten? Man antwortet: Nein, Sie selbst. Sie müssen einmal mit PIN bezahlen, danach geht’s.

Nächster Versuch bei Edeka: Kann man hier Mastercard mit PIN? Kassiererin: Keine Ahnung, mal sehen, was das Terminal will. Das Terminal will Pen & Paper. Nun gut. Nächster Versuch wieder Budni. Gleiche Frage, gleiche Antwort. Man bekommt gar nicht erst die Chance, mit PIN zu zahlen. Noch ein Versuch beim Kaufhof, gleiches Ergebnis, direkt Papierbeleg und Unterschrift.

Rückfrage Servicehotline: Weitere Vorschläge? Antwort: Es hängt vom Terminal ab, ob es das kann. Aber eine Barauszahlung am Automaten würde ebenfalls als PIN-Benutzung gelten. Ich verkneife mir, daß die Terminals von Budni das erklärtermaßen können – sonst würde es ja nicht beworben – und beschränke mich auf die Gegenfrage, ob das Gebühren kosten würde.

Da kennen sie sich plötzlich wieder aus: „Die Gebühr bei Bargeldabhebungen mit der TARGOBANK Kreditkarte beträgt 3,50 % vom Auszahlungsbetrag (mindestens 5,95 EUR). Wir wünschen Ihnen ein schönes Wochenende.“

Das war’s. Ich beschließe, einem Dasein als zahlungspflichtiges Versuchskaninchen auszuweichen und beende meine Drahtlosbeziehung zur Targobank, bevor sie begonnen hat.

(Parallel veröffentlicht im Techniktagebuch.)

DESY DAY 2015

7. November 2015

Das physikalische Großforschungslabor DESY hat Tag der offenen Tür. Nachdem ich dort 1994/95 beim HERMES-Experiment meine Diplomarbeit geschrieben habe, nutze ich solche Gelegenheiten gerne, um in meine tunnelblickVergangenheit zu reisen und war in den vergangenen 20 Jahren zu solchen und ähnlichen Gelegenheiten gelegentlich mal dort. Hier werden Partikel beschleunigt: Kleine (Elektronen) und große (Protonen). Im Bild sieht man 150m aus dem (insgesamt 6,2 km langen) HERA-Tunnel mit dem Protonenstrahlrohr links oben (innerhalb des gelben Magneten) und rechts unterhalb davon streckenweise freiliegend das Elektronenstrahlrohr.

wählscheibenphonDer erste Kontrast in Sachen Technikgeneration findet sich schon an der Tunnelwand gegenüber in Form eines höchst analogen Wählscheibentelephons, einer Technik, die im Techniktagebuch schon zu zahlreichen Ehren gekommen ist. Dazu in komfortabler Griffweite: Eine Rufnummerndatenbank auf Zellulosebasis (vulgo Telephonbuch) mit Datenstand von 2005.

RohrpoststationAber ich wende mich hier jetzt einem Beschleunigungssystem für viel, sehr viel größere Partikel zu: Der Rohrpost. Im Bild eine Station, unterhalb der Fangkorb für ankommende Büchsen, links daneben ein Gestell für leere, noch zu verschickende Büchsen (hier leider keine auf Lager), an der Wand das, nun, nennen wir es … Teleportationsbuch.

Es gab sie vor 20 Jahren – mit Sicherheit auch noch viel früher, DESY wurde 1959 gegründet und die Rohrpost wird wohl nicht viel jünger sein. Es gibt sie auch heute noch. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, seinerzeit jemals eine Anwendung beobachtet zu haben, kann mir aber gut vorstellen, daß es eine schnelle und zuverlässige Möglichkeit war und ist, beispielsweise elektronische Kleinteile zwischen verschiedenen Laboren und/oder Werkstätten hin und her zu schicken.

HERA ist seit 2007 außer Dienst, neue Großforschung steht an, so der europäische Röntgenlaser XFEL, der Freie-Elektronen-Laser FLASH, die Umnutzung von PETRA als Röntgenquelle und vieles mehr. Schauen wir in weiteren 20 Jahren, ob die Rohrpost bis dahin durchhält.

(Gekürzt veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Auch ein Dudelsack muß stimmen

8. August 2015

Zu Besuch auf dem British-Flair-Festival in Klein Flottbek, das bis vor einigen Jahren noch British Day hieß, dies aber mutmaßlich aus namensrechtlichen Querelen inzwischen nicht mehr tut. Ein schöner Spaß, an dem auf übersichtlichem Raum und zeitlich eng getaktet alles an britischen Klischees abgefeiert wird, dessen man in so kurzer Zeit habhaft werden kann: Stände mit typischen Lebensmitteln (Marmelade, Fudge, Whisky, Stout Beer, Fish, Chips, Crisps, indische warme Küche, …), Kleidungsmitteln (Damenhüte, Tweedjacken, Wollpullover, Maßschneider), Sportarten (Polo, Cricket, Gummistiefelweitwurf, Falknerei, Oldtimersammeln), Kultur (Hundespielzeug, Internate, Promenadenkonzert, Beatles-Coverbands).

An Whisky und Highland Games kann man bereits eine deutliche schottische Präsenz ablesen, und das macht sich im Lauf des Tages auch akustisch in Form einer Marching Band mit Dudelsäcken bemerkbar. Sowas ist ziemlich imposant, selbst wenn man nur danebensteht. (Ein befreundeter gebürtiger Londoner, der einen Sonnenaufgang über den Highlands beschrieb, faßte es mal zusammen mit “If – in that moment – over those hills a company of scottish warriors marched out of the fog, armed with nothing but the pipes, I would have started running and not stopped until back in London.”.)

Nun marschieren sie da auf der Stelle und liefern alle offiziellen und inoffiziellen schottischen National- und Schlachthymnen ab (wobei ich persönlich Highland Cathedral und Loch Lomond schöner finde als Amazing Grace oder Scotland The Brave, aber egal).

Der Konzertmeister ist allerdings mit dem Klang nicht zufrieden. Bei allem, was man über britische Klischees zu wissen glaubt, würde man annehmen, es gebe jetzt eine mindestens 350 Jahre alte Methode, den Klangkörper zu perfektionieren, aber nein: Wenn nötig, ist die Gegenwart schneller da, als man glaubt: Er zückt nämlich ein elektronisches Stimmgerät und hat damit die Bordunpfeifen aller beteiligten Dudelsäcke in Minutenschnelle auf Kurs gebracht.

Dudel123

Es handelt sich um ein Einzweck-Analoggerät. Inzwischen gibt es sowas natürlich auch als App, aber wer weiß, ob die in Smartphones verbauten Mikrophone den Ansprüchen bei sowas genügen, und vielleicht regeln die ja ab, was hier ein Problem wäre, denn ein Dudelsack ist laut!

(Gekürzt veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Google Maps betritt Gebäude

Frühjahr 2015

Eigentlich wollte ich bei Google Maps nachsehen, ob sich eine bestimmte Firma, die dort früher einmal war, noch im Kampnagel-Gebäudekomplex befindet. Aber auch zunehmende Zoomstufen fördern das Gesuchte nicht zutage, dafür aber einen überraschenden Detailreichtum der ebenfalls dort ansässigen Staples-Filiale: Deren Innenaufteilung und Warensortierung und -plazierung ist nämlich regalgenau wiedergegeben. So kann man seinen Büroartikel-Shoppingtrip noch genauer planen oder ist, mobile Daten vorausgesetzt, vor Ort nicht auf eine mündliche Auskunft auf die Frage angewiesen, wo sich denn die Haftnotizen befänden. Auch ein Geldautomat wird angezeigt.

staples

Neugierig geworden, versuche ich den Pegman (das kleine gelbe Streetview-Männchen) in den Büroartikelmarkt zu werfen, um herauszufinden, ob man sich sogar virtuell dort umsehen kann, aber ach, es kehrt unverrichteter Dinge an seine Warteposition zurück. Doch es gibt Hoffnung: Beim Greifen des Pegman wird ein Overlay eingeblendet, der mit einem Eintrag „Von innen ansehen“ vermuten läßt, das sei nur eine Frage der Zeit. (Bei der TARDIS vor der Londoner U-Bahn-Station Earl’s Court geht’s ja schließlich auch.)

Pegman bei Staples

Gedanklich fast schon wieder weg, schießt mir im letzten Moment erst die wahre Bedeutung dieser Entdeckung durch den Kopf. Wenn es etwas gibt, wo man vor Ort nicht auf die mündliche Auskunft von Geheimwissenden angewiesen sein möchte, dann sind es … Baumärkte!

Also nochmal zurück auf die Karte und nachgeprüft. Aber hier hat diese Zukunft noch keinen Einzug gehalten — Bauhaus Wandsbek, Hagebaumarkt Altona und Obi Moorfleet: Alles nur große, graue Blöcke. Schade auch. Da ich schon gerade in Moorfleet rumlungere, noch schnell ein Blick zu Ikea, aber da sieht’s genauso aus.

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Warentrenner als Lichtschrankentrigger

Die 2010er Jahre

Szenario Supermarktkasse. Früher wurde das Kassentransportband durch einen Fußschalter des Kassenpersonals gesteuert, der einfach betätigt wurde, wenn das Band die Waren weitertransportieren sollte. Offenbar hatte dann irgendjemand die Idee, man könne oder solle die Leute von diesem ständigen An-Aus-An-Aus entlasten, das Band auf Dauerlauf stellen und nur anhalten, wenn Waren direkt vor der Kasse eine Lichtschranke unterbrechen. Mit Wegnahme der zu scannenden Ware wird die Lichtschranke freigegeben und das Band schafft den nächsten Artikel ran.

Selten habe ich einen technischen Plan so scheitern sehen.

Von den parallel zum Transportband bereitgelegten Warentrennern, die die Kunden zwischen ihre Artikelberge legen, wird seitdem immer einer vom Kassenpersonal zweckentfremdet und in Längsrichtung an den Rand des Bands gelegt, damit die Lichtschranke so lange unterbrochen ist, bis der Trenner ein Stück nach hinten geschubst wird und neue Artikel erst dann rantransportiert werden.

Ich erlaube mir die absolute Aussage „immer“, weil ich es noch nie jemanden habe anders machen sehen, soweit ich mich erinnern kann. Man kann, denke ich, guten Gewissens schlußfolgern, daß diese technische Neuerung komplett an der Arbeitswirklichkeit von Kassiererinnen und Kassierern vorbei, ohne Rücksprache mit ihnen und ohne Berücksichtigung von Feedback konzipiert, entwickelt und eingeführt wurde. Ich bin neugierig, ob sich in nächster Zeit doch noch eine Alternative abzeichnet, die ihren Weg ins Kassenwesen findet. Oder zurückfindet.

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Mit drei Apps den Busersatzverkehr ersetzt

31. Juli 2015

Ich wohne in Hamburg in St. Georg und bin um 18:30 Uhr in Harvestehude verabredet. Das Ziel ist nur zweieinhalb Kilometer Luftlinie entfernt, aber Ortskundige wissen, daß sich unpraktischerweise die Außenalster dazwischen befindet. Man greift also zur U-Bahn. Ich bin allerdings schon darauf vorbereitet, daß ab Jungfernstieg für die zweite Streckenhälfte Busersatzverkehr wegen Bauarbeiten eingesetzt wird.

Worauf ich allerdings nicht vorbereitet bin bzw. was mir erst in dem Moment wieder einfällt, als ich am Jungfernstieg an die Oberfläche komme, ist das Prideweek-Straßenfest, das an diesem Wochenende stattfindet und weswegen die Bushaltestelle außer Dienst ist. Immerhin ist am Haltestellenpfosten eine Bekanntmachung mit der Ersatzhaltestelle: Sternschanze.

Die eingangs erwähnten Ortskundigen fassen sich synchron mit mir an die Köppe und stimmen ein voluminöses „WTF?!“ an. Zur gefälligen Erläuterung dessen folgt hier eine Skizze, in Worte kann man das nicht fassen. Ich informiere meine Verabredung, daß es später wird.

Verkehrsmittelmix

(Selbst bearbeiteter OpenStreetMap-Screenshot)

Ein Mittelstreckenlauf zur Sternschanze steht nicht zur Debatte. Stattdessen setzt eine beispiellose Staffel von Verkehsmitteln ein: Wie komm‘ ich jetzt nach Harvestehude? Carsharing! Die car2go-App meldet mir ein Fahrzeug am Dammtorbahnhof (siehe Skizze, ziemlich mittig, östlich von Planten un Blomen). Ich bin immer noch an der Bushaltestelle, auch ohne Straßenfest wäre das ein strammer Fußmarsch von einer Viertelstunde und ich bin schon im Verzug.

Nächste Idee: StadtRAD. Deren App weist eine Station an der Ecke Neuer Jungfernstieg aus, das ist 50 m weiter. Am Dammtorbahnhof ist auch eine, das Abstellen ist also gesichert. car2go reserviert. Wenige Minuten später stehe ich davor, der car2go-Server reagiert nicht auf die Entriegelungsbemühungen und die Hotline übt sich in Warteschleife. Nach einigen Minuten fällt mein Blick auf eine DriveNow-Auto ein paar Stellplätze weiter. car2go kann also jetzt mal sehen, wo es bleibt, eine ungenutzte Reservierung verfällt nach 30 Minuten folgenlos.

Also Schwamm drüber und den BMW gebucht. Aber der reagiert auch nicht auf Öffnungsversuche per App und auch nicht auf den RFID-Chip des DriveNow-Führerscheinaufklebers. Nächste Hotline, da ist immerhin sofort jemand dran. Mit Kennzeichenvergleich stellt sich heraus: Der BMW, vor dem ich stehe, ist nicht der gebuchte. Der steht zwei Reihen weiter und ist wegen der vorangegangenen App-Aktivität („Apptivität“? *) auch schon entriegelt. Die beiden Icons sind in der App tatsächlich so nah beieinander, daß ich nicht gesehen habe, daß es zwei sind, aber für das System bin ich nah genug an dem anderen dran, um ihn öffnen zu dürfen.

Message an die Verabredung – „Unterwegs!“, inzwischen ist es 19 Uhr – und los. 5 Minuten später gibt es wenigstens keine Parkplatzprobleme und ich bin am Ziel.

Rückblickend wäre wohl am schnellsten gewesen, einfach mit dem StadtRAD zur Hallerstraße durchzufahren und dann 5 min zu Fuß bis ans Ziel, aber da war noch nicht mit dem car2go-Fail und der BMW-Verwechslung zu rechnen.

* Additional Fact: Das Wort „Apptivität“ ist im Moment bei Google noch nicht bekannt. Ich setze mir hiermit den Worterfinderhut dafür auf.

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)

Bauchgefühl ist gut, Technik ist besser

24. Juli 2015

Das in „Manchmal muss man selber messen“ skizzierte Problem hat – insbesondere mit seiner Einleitung „In der Mittagspause stehen wir am Rhein und ich disse die Elbe bei Dresden, die mir bei unserem Besuch vor ein paar Jahren als putziges Bächlein erschien.“ – sofort gezündet, da ich jederzeit gerne und obsessiv bereit bin, einem Drang nach Feststellung einer genauen Entfernung oder Fläche auf ganzer Linie nachzugeben. So habe ich mal mit Google Earth nachgemessen, welcher Weg um unseren Wohnblock rum der kürzere zum Einkaufen ist. (Um wenige Meter gewonnen hat tatsächlich der intuitiv für länger gehaltene, aber darum geht’s hier nicht.) Außerdem pflege ich gerne einer vergleichbaren Dissung* nachzugehen, aber dazu kommen wir später.

Außerdem hatte auch ich schon so eine Ahnung, die sich anbahnende Statistik würde mich als Bewohner Hamburgs zu einem sehr erfreulichen dritten Datensatz führen. Doch zuerst zu den in Frage stehenden Städten.

Die geäußerte Vermutung, Google sei die Grundlage für eine solche landkartenbasierte Entfernungsbestimmung kann ich auf Basis der Einkaufswegerfahrung nur bejahen. Google Earth hat sogar eine Funktion für die Flächeninhalte von Polygonen, und hier kommt die Sache mit dem „obsessiv“ ins Spiel.

GEarth-Flächenmessung

Flächenmessung der Außenalster als kommentierter Screenshot
(Ich: 162,2 ha; Wikipedia: 164 ha – funktioniert)

Denn das mit den sich ändernden Flussbreiten kriegt man mit einer guten alten naturwissenschaftlichen Näherungsmethode hin: Einfach ein flächengleiches Rechteck erzeugen und die Fläche durch die Länge des Rechtecks teilen, dann hat man die durchschnittliche Breite und damit einen schönen und vergleichbaren Wert für die durchschnittliche Flussbreite entlang einer bestimmten Strecke. Wir brauchen also die von Wasser bedeckte Fläche und ungefähre Fließstrecke des Flusses innerhalb der jeweiligen Stadtgrenzen, zack, feddich.

Und wo nehmen wir die her? Google Earth. Auf Google Earth wird einfach mit dem Polygon-Flächenmesstool so genau wie möglich der Verlauf des Flusses im Stadtgebiet eingerahmt: Stadtgrenze, linkes Ufer lang, andere Stadtgrenze, rechtes Ufer, wieder zurück, Stadtgrenze und zurück zum Startpunkt. Wenn man einmal rum ist, werden Umfang und Größe der so markierten Fläche direkt im Programm angezeigt.

Das ist zwar ein gewisser Aufwand, aber mehr als ein paar Minuten pro Flussabschnitt dauert es nun auch wieder nicht. Praktischerweise liefert der Umfang auch gleich eine hinreichend genaue Zahl für die zurückgelegte Strecke, denn dafür kann man den Umfang einfach durch zwei teilen, weil man üblicherweise die Breite bei dieser Berechnung außer Acht lassen kann, zumindest solange der gewählte Flussabschnitt deutlich länger als breit ist, was in den folgenden Fällen überall der Fall ist.

Bildlich gesprochen haben wir so den fraglichen Fluss geradegezogen und auf einheitliche Breite gebracht, und genau die letztere interessiert uns. Nun zu den Messergebnissen.

Köln: Gemessen zwischen Flittard und Wesseling, keine Berücksichtigung von Hafen- und Nebenbecken: Wasserfläche 1035 Hektar, Umfang 59,7 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 347 Metern.

Dresden: Gemessen zwischen Gohlis und Zschieren, keine Berücksichtigung von Elbinseln und Hafen- und Nebenbecken: Wasserfläche 306 Hektar, Umfang 51,5 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 121 Metern.

Anne hat also auf ganzer Linie recht gehabt!

Aber wo wir schon bei der Elbe sind und ich in Hamburg wohne: Gemessen zwischen Wedel und Ochsenwerder: Wasserfläche 1301,2 Hektar, Umfang 61,4 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 424 Metern! Und ich habe der Fairness halber nur die Norderelbe genommen und Wilhelmsburg und das Mühlenberger Loch gar nicht erst berücksichtigt.

Jetzt können wir uns beruhigt nach Süden wenden und auf die Isar blicken: Gemessen zwischen Unterföhring und Großhesselohe unter großzügiger Einbeziehung von Deutschem Museum und Praterinsel, aber ohne den Isarwerkkanal: 128 Hektar, Umfang 29,1 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 88 Metern.

Hoffen wir, dass Cuxhaven niemals von dieser Angelegenheit Wind bekommt, sonst stehen wir alle dumm da.

Anmerkung: Einige der Flüsse gehören jenseits der genannten Endpunkte noch hälftig zur bewussten Stadt und hälftig zu einer oder mehreren anderen, etwa Leverkusen, Unterföhring, Nordniedersachsen. Ich habe nur die Strecken mit voller Breite berücksichtigt.

* Gibt es zu „dissen“ eigentlich ein Substantiv?

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)

QR-Codes haben doch eine Existenzberechtigung

April 2015

Ich mache es mir zur Snooker-Weltmeisterschaft auf dem Sofa gemütlich. Genau dann fällt mir wieder ein, daß ich der Geliebten dringend einen Link schicken wollte und es bis jetzt vergessen habe. Der Link liegt auf dem Desktop des Windows-PCs im Büro im anderen Stockwerk. Die Geliebte ist unterwegs, aber ich weiß ja, daß sie in ihrem Smartphone wohnt.

In schon länger zurückliegender weiser Voraussicht ist auf verschiedenen Rechnern (Büro-PC, Sofa-Laptop, Medienserver, Smartphone) in der Wohnung überall VNC installiert, um jederzeit, sich an einem davon befindend, etwas auf einem anderen davon erledigen zu können. Und zwar plattformübergreifend, denn auf dem Laptop läuft Linux, auf dem Smartphone Android und auf dem Rest Windows. (So nutze ich gelegentlich das Smartphone aus dem Bett, um den Medienserver runterzufahren, ohne das gesamte dranhängende AV-Gedöns anschalten zu müssen.)

Also gehe ich mit dem VNC-Client vom Sofa-Laptop auf den Desktop des Büro-PCs und doppelklicke die dort liegende URL-Datei. Firefox schnappt sie sich und öffnet die Seite. Ich wechsele in die Adreßzeile und kopiere den Linktext ins Clipboard. Jetzt einen QR-Codierservice aufgerufen und den soeben kopierten Link dort ins Eingabefeld kopiert, der Service zeigt direkt eine Vorschau des QR-Codes an. Alles auf dem Büro-PC, angezeigt im VNC-Fenster des Sofa-Laptops.

Auf dem Sofa tritt das Smartphone in Aktion und dessen Barcode-App, die Kamera erkennt den QR-Code, decodiert ihn und zeigt den Link an. Lange genug berühren markiert ihn und ich kopiere ihn aufs Clipboard des Telephons.

Wir sind auf der Zielgeraden. Threema öffnen und den kopierten Link in den Dialog mit der Geliebten einfügen. Senden. Und das wichtigste: Das Sofa wurde nicht verlassen und kein Stoß verpaßt.

Mission accomplished. QR-Codes haben doch eine Existenzberechtigung, und sei es als Clipboard zwischen stationären und mobilen Devices.

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)