Bauchgefühl ist gut, Technik ist besser

24. Juli 2015

Das in „Manchmal muss man selber messen“ skizzierte Problem hat – insbesondere mit seiner Einleitung „In der Mittagspause stehen wir am Rhein und ich disse die Elbe bei Dresden, die mir bei unserem Besuch vor ein paar Jahren als putziges Bächlein erschien.“ – sofort gezündet, da ich jederzeit gerne und obsessiv bereit bin, einem Drang nach Feststellung einer genauen Entfernung oder Fläche auf ganzer Linie nachzugeben. So habe ich mal mit Google Earth nachgemessen, welcher Weg um unseren Wohnblock rum der kürzere zum Einkaufen ist. (Um wenige Meter gewonnen hat tatsächlich der intuitiv für länger gehaltene, aber darum geht’s hier nicht.) Außerdem pflege ich gerne einer vergleichbaren Dissung* nachzugehen, aber dazu kommen wir später.

Außerdem hatte auch ich schon so eine Ahnung, die sich anbahnende Statistik würde mich als Bewohner Hamburgs zu einem sehr erfreulichen dritten Datensatz führen. Doch zuerst zu den in Frage stehenden Städten.

Die geäußerte Vermutung, Google sei die Grundlage für eine solche landkartenbasierte Entfernungsbestimmung kann ich auf Basis der Einkaufswegerfahrung nur bejahen. Google Earth hat sogar eine Funktion für die Flächeninhalte von Polygonen, und hier kommt die Sache mit dem „obsessiv“ ins Spiel.

GEarth-Flächenmessung

Flächenmessung der Außenalster als kommentierter Screenshot
(Ich: 162,2 ha; Wikipedia: 164 ha – funktioniert)

Denn das mit den sich ändernden Flussbreiten kriegt man mit einer guten alten naturwissenschaftlichen Näherungsmethode hin: Einfach ein flächengleiches Rechteck erzeugen und die Fläche durch die Länge des Rechtecks teilen, dann hat man die durchschnittliche Breite und damit einen schönen und vergleichbaren Wert für die durchschnittliche Flussbreite entlang einer bestimmten Strecke. Wir brauchen also die von Wasser bedeckte Fläche und ungefähre Fließstrecke des Flusses innerhalb der jeweiligen Stadtgrenzen, zack, feddich.

Und wo nehmen wir die her? Google Earth. Auf Google Earth wird einfach mit dem Polygon-Flächenmesstool so genau wie möglich der Verlauf des Flusses im Stadtgebiet eingerahmt: Stadtgrenze, linkes Ufer lang, andere Stadtgrenze, rechtes Ufer, wieder zurück, Stadtgrenze und zurück zum Startpunkt. Wenn man einmal rum ist, werden Umfang und Größe der so markierten Fläche direkt im Programm angezeigt.

Das ist zwar ein gewisser Aufwand, aber mehr als ein paar Minuten pro Flussabschnitt dauert es nun auch wieder nicht. Praktischerweise liefert der Umfang auch gleich eine hinreichend genaue Zahl für die zurückgelegte Strecke, denn dafür kann man den Umfang einfach durch zwei teilen, weil man üblicherweise die Breite bei dieser Berechnung außer Acht lassen kann, zumindest solange der gewählte Flussabschnitt deutlich länger als breit ist, was in den folgenden Fällen überall der Fall ist.

Bildlich gesprochen haben wir so den fraglichen Fluss geradegezogen und auf einheitliche Breite gebracht, und genau die letztere interessiert uns. Nun zu den Messergebnissen.

Köln: Gemessen zwischen Flittard und Wesseling, keine Berücksichtigung von Hafen- und Nebenbecken: Wasserfläche 1035 Hektar, Umfang 59,7 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 347 Metern.

Dresden: Gemessen zwischen Gohlis und Zschieren, keine Berücksichtigung von Elbinseln und Hafen- und Nebenbecken: Wasserfläche 306 Hektar, Umfang 51,5 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 121 Metern.

Anne hat also auf ganzer Linie recht gehabt!

Aber wo wir schon bei der Elbe sind und ich in Hamburg wohne: Gemessen zwischen Wedel und Ochsenwerder: Wasserfläche 1301,2 Hektar, Umfang 61,4 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 424 Metern! Und ich habe der Fairness halber nur die Norderelbe genommen und Wilhelmsburg und das Mühlenberger Loch gar nicht erst berücksichtigt.

Jetzt können wir uns beruhigt nach Süden wenden und auf die Isar blicken: Gemessen zwischen Unterföhring und Großhesselohe unter großzügiger Einbeziehung von Deutschem Museum und Praterinsel, aber ohne den Isarwerkkanal: 128 Hektar, Umfang 29,1 km. Das ergibt eine durchschnittliche Breite von 88 Metern.

Hoffen wir, dass Cuxhaven niemals von dieser Angelegenheit Wind bekommt, sonst stehen wir alle dumm da.

Anmerkung: Einige der Flüsse gehören jenseits der genannten Endpunkte noch hälftig zur bewussten Stadt und hälftig zu einer oder mehreren anderen, etwa Leverkusen, Unterföhring, Nordniedersachsen. Ich habe nur die Strecken mit voller Breite berücksichtigt.

* Gibt es zu „dissen“ eigentlich ein Substantiv?

(Erstmalig veröffentlicht im Techniktagebuch.)