DESY DAY 2015

7. November 2015

Das physikalische Großforschungslabor DESY hat Tag der offenen Tür. Nachdem ich dort 1994/95 beim HERMES-Experiment meine Diplomarbeit geschrieben habe, nutze ich solche Gelegenheiten gerne, um in meine tunnelblickVergangenheit zu reisen und war in den vergangenen 20 Jahren zu solchen und ähnlichen Gelegenheiten gelegentlich mal dort. Hier werden Partikel beschleunigt: Kleine (Elektronen) und große (Protonen). Im Bild sieht man 150m aus dem (insgesamt 6,2 km langen) HERA-Tunnel mit dem Protonenstrahlrohr links oben (innerhalb des gelben Magneten) und rechts unterhalb davon streckenweise freiliegend das Elektronenstrahlrohr.

wählscheibenphonDer erste Kontrast in Sachen Technikgeneration findet sich schon an der Tunnelwand gegenüber in Form eines höchst analogen Wählscheibentelephons, einer Technik, die im Techniktagebuch schon zu zahlreichen Ehren gekommen ist. Dazu in komfortabler Griffweite: Eine Rufnummerndatenbank auf Zellulosebasis (vulgo Telephonbuch) mit Datenstand von 2005.

RohrpoststationAber ich wende mich hier jetzt einem Beschleunigungssystem für viel, sehr viel größere Partikel zu: Der Rohrpost. Im Bild eine Station, unterhalb der Fangkorb für ankommende Büchsen, links daneben ein Gestell für leere, noch zu verschickende Büchsen (hier leider keine auf Lager), an der Wand das, nun, nennen wir es … Teleportationsbuch.

Es gab sie vor 20 Jahren – mit Sicherheit auch noch viel früher, DESY wurde 1959 gegründet und die Rohrpost wird wohl nicht viel jünger sein. Es gibt sie auch heute noch. Allerdings kann ich mich nicht erinnern, seinerzeit jemals eine Anwendung beobachtet zu haben, kann mir aber gut vorstellen, daß es eine schnelle und zuverlässige Möglichkeit war und ist, beispielsweise elektronische Kleinteile zwischen verschiedenen Laboren und/oder Werkstätten hin und her zu schicken.

HERA ist seit 2007 außer Dienst, neue Großforschung steht an, so der europäische Röntgenlaser XFEL, der Freie-Elektronen-Laser FLASH, die Umnutzung von PETRA als Röntgenquelle und vieles mehr. Schauen wir in weiteren 20 Jahren, ob die Rohrpost bis dahin durchhält.

(Gekürzt veröffentlicht im Techniktagebuch.)